Schulimpulse

Interkulturelle Bildung und Erziehung



Sprachlich-kulturelle Vielfalt  

In vielen Klassenzimmern steigt die Zahl der Kinder, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen. Lehrkräfte stehen somit vor der großen Verantwortung, die sprachlich-kulturelle Vielfalt ihrer Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen.  

In einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) zur interkulturellen Bildung und Erziehung aus dem Jahr 2013 heißt es: 

„Schule nimmt Vielfalt zugleich als Normalität und Potenzial wahr (…) Sie nimmt die sprachlich-kulturelle Vielfalt ihrer Schüler- und Elternschaft als Chance für interkulturelles Lernen bewusst wahr und berücksichtigt diese in der schulprogrammatischen Arbeit. Hierzu gehören auch die Würdigung und Förderung der sprachlichen Kompetenzen mehrsprachig aufwachsender Schülerinnen und Schüler.“1  

Mehrsprachigkeit

Die interkulturelle Schul- und Bildungskultur steht für die Anerkennung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt, welche im Schulleben verankert und durch die Kooperation mit Eltern und außerschulischen Partnern gelebt werden soll. Sie zeichnet sich u.a. aus durch2:  

  • Förderung von Zwei-/Mehrsprachigkeit 
  • Anerkennung, Berücksichtigung und Förderung der Herkunftssprache 
  • Möglichkeiten zur Partizipation der Eltern (z.B. durch mehrsprachige und herkunftssprachliche Informationen und Angebote) 
  • Förderung der Herkunftssprache als Unterrichtsfach  

Die Haltung der Lehrkräfte zur Mehrsprachigkeit und kulturellen Vielfalt der Schüler- und Elternschaft ist dabei für ein erfolgreiches Miteinander und die Umsetzung der genannten Ziele von großer Bedeutung.  

Gehen wir in die Praxis, werden wir feststellen, dass die von der KMK formulierten Ziele trotz großen persönlichen Engagements in den Kollegien nicht per se erfolgreich umgesetzt werden können. Neben den Haltungen und Einstellungen der Lehrkräfte spielen zahlreiche organisatorische und administrative Faktoren wie Mittelzuweisung oder Schulzuordnung eine tragende Rolle, um Förderung individueller und qualitativer sowie Schulentwicklung wirksamer gestalten zu können.

Schulische Sprachbildung  

Schulische Sprachbildung ist bedeutsam für den Aufbau von Fach- und Bildungssprache, um allen Kindern im Sinne der Chancengleichheit Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Als Ziel und allgemeinen Grundsatz formuliert die KMK3

Schule ist zentraler Ort für den Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen. 

Das bedeutet: Die Schule sorgt dafür, dass Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Herkunft und den außerschulischen Lern- und Lebensbedingungen im Unterricht und im Rahmen außerunterrichtlicher Aktivitäten die geforderten Kompetenzen erwerben können. Den Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen organisiert die Schule als durchgängige Aufgabe aller Schulstufen und Fächer. 

Kinder, die keine oder sehr geringe deutsche Sprachkenntnisse haben, werden in der Regel von Beginn an in eine ihrem Alter und Entwicklungsstand entsprechende Klasse integriert. Im DaZ-Unterricht erhalten sie in Kleingruppen zusätzliche Förderangebote. Da die betreffenden Schülerinnen und Schüler die meiste Zeit des Schultages in ihrer Klasse verbringen, ist die Förderung in einem sprachsensiblen Unterricht im Klassenverband unbedingt erforderlich (vgl. → Werteorientierung in der Grundschule, → Sachunterricht fachübergreifend gestalten, → Mama Maus mag Dinge mit M, → Stufengedichte). Schulische Sprachbildung ist somit für alle am Bildungsprozess Beteiligte eine umfassende Aufgabe, die weit über den DaZ-Unterricht hinausgeht.  

Unsere Klasse ist bunt – Text eines Kindes in der 4. Klasse

Als Lehrkraft steht man oft vor der Herausforderung, sowohl den Ansprüchen an eine fundierte Sprachbildung gerecht zu werden als auch die Mehrsprachigkeit der Kinder zu fördern. In der Praxis erzeugt diese Gleichzeitigkeit mitunter einige Interferenzen, wie das folgende Beispiel einer Lehrerin aus dem Schulalltag zeigt:  

Ali spielt ausschließlich mit Mustafa. Das „Spielen“ erinnert eher an ein wildes Rangeln und Jagen. Miteinander reden sie Arabisch, beide sprechen wenig Deutsch. Den DaZ-Unterricht stören beide häufig. Lasse ich die Kinder in ihrer Herkunftssprache weiterspielen im Sinne der Vielfalt als Normalität? Oder animiere ich die beiden Kinder, im Sinne der sprachlichen Förderung andere deutschsprechende Spielpartner zu suchen? Offenbar haben die Jungen Schwierigkeiten, freundschaftlich miteinander zu spielen, was darauf hinweist, die sozial-emotionalen Fähigkeiten der Kinder zu fördern. Oder habe ich es hier womöglich nur mit einem interkulturellen Missverständnis zu tun?

Das Beispiel zeigt auch, dass es Bedarf an qualitativen Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte in Bezug auf Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt gibt, sodass pädagogische Handlungskompetenzen professionell und nachhaltig aufgebaut werden können.  

Unsere Klasse ist bunt – Ein Kind der 4. Jahrgangsstufe beschreibt seine Klasse

[1]
Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25.10.1996 i. d. F. vom 05.12.2013)

[2]
Gemeinsame Erklärung der Kultusministerkonferenz und der Organisationen von Menschen mit Migrationshintergrund zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.10.2013)

[3]
Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25.10.1996 i. d. F. vom 05.12.2013)

Weiterführende Literatur und Quellen:

Gutzmann, Marion (Hg.): Sprachen und Kulturen. Beiträge zur Reform der Grundschule. Bd. 146. Frankfurt am Main. Grundschulverband 2018.

Köhler, Judith; Grajek, Andreas: „Bei uns ist das genauso – nur anders.“ In: Grundschulmagazin 3 2021 (Werte schätzen – Werte leben). Friedrich Verlag.


Judith Köhler

Letzte Aktualisierung: 12. Oktober 2021

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