Schulimpulse

Werteorientierung in der Grundschule



Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule umfasst neben der Vermittlung konkreter Inhalte und der Entwicklung von Kompetenzen den Aufbau von Wertvorstellung. Um welche Werte es sich dabei genau handelt, ist in den Verfassungen der Bundesländer verankert.

Beispiel: Verfassung des Freistaates Sachsen

→ Artikel 101: Grundsätze der Erziehung und Bildung

  • Ehrfurcht vor allem Lebendigen
  • Nächstenliebe
  • Frieden
  • Erhaltung der Umwelt
  • Heimatliebe
  • sittliches und politisches Verantwortungsbewusstsein
  • Gerechtigkeit
  • Achtung vor der Überzeugung des anderen
  • berufliches Können
  • soziales Handeln
  • freiheitlich-demokratische Haltung

Diese finden eine Konkretisierung in den Lehrplänen.

Ziel der schulischen Werteerziehung ist es, auf ein gelingendes Miteinander in einer demokratischen und vielfältigen Gesellschaft zu orientieren. Dabei zeigt sich Schule als Gesellschaft „im Kleinen“ in ihrer gesamten Heterogenität aus Herkunft, kultureller Identität, religiöser Sozialisation, Alter, Geschlecht, familiärer und sozioökonomischer Hintergründe uvm.

Je älter die Schüler sind, um so bewusster findet die Auseinandersetzung mit eigenen, anderen und gemeinsamen Wertvorstellungen statt. Erst wenn die Vielfalt der Mitschüler in der Klassen- und Schulgemeinschaft nicht nur wahrgenommen wird, sondern ihr aktiv und interessiert begegnet wird, können sich gegenseitige Wertschätzung und Toleranz entwickeln.

Wertschätzung im Schulalltag erleben

Wenn Werte, Rituale und Traditionen in einen (be)wertungsfreien Vergleich münden, findet ein Austausch auf Augenhöhe statt, der gegenseitiges Interesse, Respekt und Wertschätzung zeigt. Einen ergiebigen Zugang dazu bietet die Sprache: Das tägliche Ritual des Begrüßens und Verabschiedens vor dem Hintergrund der sprachlichen Vielfalt in einer Klasse sowie der Sprachen der Welt verbindet Werteorientierung mit fachlichen und überfachlichen Zielen der Schule.

BegrüßungVerabschiedungSprache
Guten MorgenAuf Wiedersehendeutsch
[Sabah al kheir][Salam]arabisch
Dobro jutroDoviđenjakroatisch
Доброе утродо свида́нияrussisch
chao buoi sangtam bietvietnamesisch
BuongiornoArrivederciitalienisch
Jó reggeltViszontlátásraungarisch
[Ohayō][Sayōnara]japanisch
buenos diasadiosspanisch

Zu einem wertebasierten Miteinander im Schulalltag gehört auch die gemeinsame Interaktion der Lernenden. Dabei lernen die Kinder vom Rollenvorbild der Lehrperson, sich wertschätzend auszudrücken sowie Kritik angemessen zu formulieren, auszuhalten und annehmen zu können. Die Schülerinnen und Schüler werden durch Wortkarten angeregt, sich ebenfalls wertschätzend auszudrücken:

Impulse für wertschätzende Rückmeldungen im Unterricht 

  • Ich möchte dich loben für …
  • Mir gefällt an dir, dass …
  • Ich finde toll, dass wir …
  • Heute habe ich von dir … gelernt.
  • Danke für deine Hilfe bei …
  • Ich würde mich freuen, wenn du beim nächsten Mal …
  • Ich würde gern noch … von dir wissen.
  • Deine Arbeit (Plakat …) gefällt mir, weil …
  • Du hast mir mit … eine Freude gemacht.


Auf das Potenzial von Fremd- und Mehrsprachigkeit sowie kultureller Vielfalt für Wertebildung im Lern-, Sozial- und Lebensraum Schule gehen Judith Köhler und Andreas Grajek in ihrem Beitrag „Bei uns ist das genauso – nur anders …“ im Grundschulmagazin 03/2021 („Werte schätzen – Werte leben“) ein. Neben dem Zusammenwirken von Schule und Elternhaus bei der Vermittlung von Werten nimmt der Artikel Gelingensfaktoren für die Werteorientierung im Schulalltag in den Blick und zeigt Möglichkeiten auf, Vielfalt erlebbar zu machen.


Judith Köhler und Andreas Grajek

Letzte Aktualisierung: 3. Juni 2021

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