Schulimpulse

Denkmale vor unserer Haustür: Geschichte(n) erleben mit der Forscherkartei für ein Denkmalprojekt

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Gedichte im integrativen Deutschunterricht
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Entdecken und Experimentieren: Die Kaprekar-Konstante als Übungsformat im Mathematikunterricht
Gedichtwerkstatt: Wir schreiben ein Sonettchen
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Denkmale sind mehr als alte Steine. Sie erzählen Geschichten. Sie erinnern an Menschen, Ereignisse und Ideen, die unsere Welt geprägt haben. Mit der Forscherkartei „Denkmale vor unserer Haustür“ begeben sich Kinder auf Spurensuche an ihrem Wohnort und im schulischen Umfeld. Sie erkunden historische und kulturelle Orte, beschreiben ihre Eindrücke, dokumentieren Veränderungen und entwickeln eigene kreative Denkmal-Ideen.

Doch was genau ist eigentlich ein Denkmal? Häuser, Burgen, Schlösser, Fabriken, Brücken, Maschinen, Statuen, Kirchen, Friedhöfe, Gärten, Parks und auch Landschaften können Denkmale sein. Nicht alle Denkmale sind aus Stein. Aber alle Denkmale sind besondere Zeugnisse unserer Geschichte. Sie eröffnen uns einen Zugang zu den Menschen und ihrer Welt – wie sie zusammenlebten, bauten, wohnten und arbeiteten, woran sie glaubten, was sie schön fanden und was ihnen wichtig war. Daher hatten und haben sie für die Menschen einen besonderen Wert. Deshalb sollen sie erhalten und bewahrt werden und stehen unter besonderem Schutz.

Gemeinsam begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise durch Raum und Zeit und erkunden mit Hilfe der Denkmale in unserer Umgebung ein Stück unserer Geschichte.

Oft beginnt die Auseinandersetzung mit einem Denkmal mit einer spontan geäußerten Kinderfrage wie „Wer putzt eigentlich den Goldenen Reiter?“ oder „Kann man mit dem Auto durch das Brandenburger Tor fahren?“. Derartige Fragen führen unmittelbar zu weiteren Fragen als Startpunkte für ein Denkmalprojekt: Wer ist für das Denkmal verantwortlich? Wie werden Denkmale erhalten? Wer baut eigentlich ein Denkmal? Und warum? Wozu haben wir überhaupt Denkmale?

Die abwechslungsreichen Forscheraufträge regen zum Beobachten, Recherchieren, Gestalten und Präsentieren in den Klassenstufen 1 bis 4 an. Dabei geht es neben dem Erwerb von Wissen und fachspezifischen Arbeitsweisen des Sachunterrichts auch um Perspektivwechsel, Partizipation und die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Aufgaben unterstützen ein forschendes und aktiv-entdeckendes Lernen in Projekttagen, einer Projektwoche oder in einem Langzeitprojekt. Sie sind im schulischen und wohnortnahen Umfeld  verankert und offen für die „großen Fragen“, die sich aus der Auseinandersetzung mit Denkmalen ergeben. Dabei greifen viele Perspektiven ineinander und eröffnen vielseitige Zugänge:

  • Was macht einen Ort besonders?
  • Was ist eigentlich ein Denkmal?
  • Welche Materialien wurden verwendet? Warum gerade diese?
  • Wie verändert sich ein Denkmal über die Zeit?
  • Für wen oder was würde ich selbst ein Denkmal errichten und was würde ich dazu erklären?

Forscherkartei und Forscheraufträge: Denkmale vor unserer Haustür

Forscherkartei-Denkmale-vor-unserer-Haustuer

Forscherauftrag 1: Erkunden und Beschreiben

  • Meine Lieblingsplätze. Was sind die schönsten Orte in deinem Wohngebiet? Warum findest du sie schön? Beschreibe: Wie riecht es dort? Welche Farben gibt es? Was für Bauwerke und Pflanzen siehst du? Was gibt es noch zu entdecken? Wie fühlst du dich dort? Du kannst deine Lieblingsplätze auch zeichnen, Fotografien anfertigen oder die Orte auf einer Karte markieren. Berichte deinen Mitschülerinnen und Mitschülern davon. Tauscht euch über eure Lieblingsorte aus.

Forscherauftrag 2: Erkunden und Beschreiben

  • Diese Orte mag ich gar nicht. Welche Orte in deinem Wohngebiet magst du nicht? Beschreibe: Warum ist das so? Was müsste sich verändern, damit diese Orte zu deinen Lieblingsorten werden? Berichte deinen Mitschülerinnen und Mitschülern davon. Diskutiert und tauscht euch aus.

Forscherauftrag 3: Informieren und Präsentieren

  • Informiere dich über Denkmale in deinem Wohngebiet. Wähle ein Denkmal aus und erkunde es. Wo steht das Denkmal? Wann und warum wurde es errichtet? Um was für ein Denkmal handelt es sich (z.B. Statue, Gebäude, Brücke, Garten, Park,  Fabrik …) und was macht es besonders? Untersuche es auf Inschriften und Zahlen. Aus welchen Materialien besteht es? *Finde heraus, ob das Denkmal auch repariert und gepflegt werden muss und wer sich darum kümmert. Überlege: Warum hast du das Denkmal ausgewählt? Erstelle ein Plakat über das Denkmal.

Forscherauftrag 4: Dokumentieren

  • Wir „adoptieren“ ein Denkmal. Entscheidet als Klasse, welches Denkmal ihr über einen längeren Zeitraum beobachten wollt. Besucht euer Denkmal regelmäßig, z.B. einmal im Monat. Haltet in einem Protokoll fest, welche Veränderungen ihr am Denkmal oder um das Denkmal herum feststellt. Fotografiert das Denkmal bei jedem Besuch. Stellt aus den Fotografien ein Plakat oder ein Leporello her.

Forscherauftrag 5: Informieren und Präsentieren

  • Stell dir vor, du bekommst Besuch und planst eine Tour zu den interessantesten Denkmalen. Markiere die Denkmale in deinem Wohngebiet (deiner Stadt,  deinem Dorf) auf einer Karte. Plane eine Tour von Denkmal zu Denkmal. Verbinde die Wege zwischen den Denkmalen geschickt. Überlege dir genau, welche wichtigen Informationen du deinem Besuch über jedes Denkmal mitteilen möchtest. Führe die Denkmal-Tour durch.

Forscherauftrag 6: Beschreiben und Perspektivwechsel

  • Mitten in Prag ist diese Skulptur des Künstlers Jaroslav Róna zu sehen. Beschreibe sie. Versuche dich in Jaroslav Róna hineinzuversetzen: Was könnte ihm so wichtig gewesen sein, dass er dieses Denkmal errichtet hat? Besprecht und diskutiert eure Gedanken in der Gruppe.

Forscherauftrag 7: Herstellen eines Modells und Präsentieren

  • Denk mal an ein Denkmal. Ein Denkmal ist ein Ort der Erinnerung. Es erinnert an Ereignisse oder Personen, damit diese nicht in Vergessenheit geraten. Für welches Ereignis oder für wen würdest du ein Denkmal errichten?  Was würdest du dazu erklären? Lass deiner Fantasie und deiner Kreativität freien Lauf und überlege: Wie sieht dein Denkmal aus? Aus welchem Material besteht es? Soll es auch Symbole, Zahlen, Zeichen oder Worte enthalten? Fertige eine Skizze an. Baue dein Denkmal. Beschreibe es mit einem Text. Gestaltet eine Ausstellung mit den Denkmalen eurer Klasse.

Forscherauftrag 8: Partizipieren, Sammeln und Herstellen

  • Stein auf Stein: Wir bauen gemeinsam ein Denkmal. Ein Denkmal muss nicht nur an Vergangenes erinnern, es kann die Menschen auch an die Gegenwart oder die Zukunft denken lassen. Veranstaltet einen Klassenrat und überlegt gemeinsam, auf was ihr als Klasse aufmerksam machen wollt. Schreibt es auf. Sammelt Materialien (z.B. Steine, heruntergefallenes Holz oder herumliegenden Müll) und stellt daraus gemeinsam ein stabiles Objekt her. Überzeugt eure Lehrerinnen und Lehrer, warum euer Denkmal in der Schule oder auf dem Schulhof stehen sollte. Habt ihr noch eine andere Idee, wo euer Denkmal stehen könnte? Dann nehmt z.B. Kontakt mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister auf.

→ vgl. Langzeitprojekte Vom Kartoffelanbau zur Biofolie und Bildung und Nachhaltigkeit: Ein grüner Daumen für den Schulgarten


Hinweise für ein Denkmalprojekt in der Schule

Die Forscheraufträge zeigen, wie Bildung fächerverbindend, jahrgangsübergreifend, alltagsnah und mit Raum für Neugier, Mitgestaltung und Selbstentfaltung wirksam werden kann.

Ihr volles Potenzial entfaltet die Kartei in einer Lernkultur, in der ganztägiges Lernen als Bildungs-, Lebens- und Erfahrungsraum für Kinder verstanden wird.

Organisation

Die Aktivitäten rund um die Forscherkartei lassen sich entsprechend der zeitlichen und räumlichen Rahmenbedingungen der Klasse oder Lerngruppe in den Schulalltag integrieren. Dabei reicht das Spektrum von einer intensiven Projektwoche über regelmäßige Zeitfenster für außerschulische Erkundungen bis hin zur festen Verankerung im Stundenplan oder als Denkmal-AG, um langfristige Aktivitäten und Beobachtungen zu ermöglichen.

Für den Umgang mit den Ergebnissen bietet sich eine durchgängige Dokumentation an, z.B. in Form eines portfolioartigen Denkmal-Forscherhefts oder Plakaten mit Skizzen, Notizen, Fotos, Lageplänen, Interviews, Vermutungen und offenen Fragen.

Reflexionsimpulse wie „Das habe ich gelernt“, „Das hat mich überrascht“ oder „Das möchte ich noch herausfinden“ helfen den Kindern, ihre Entdeckungen einzuordnen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Durch die Auseinandersetzung mit dem Erhalt und der Pflege von Denkmalen lassen sich vielfältige Bezüge zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und den Nachhaltigkeitszielen (SDG) herstellen.

Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ (Kulturerbe bewahren, Lebensräume verantwortungsvoll gestalten) sowie SDG 12 „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ (ressourcenschonender Umgang mit Bestehendem, Reparieren statt Ersetzen).

Die Organisation mit flexiblen Zeitstrukturen, partizipativen Zugängen und projektartigem Arbeiten unterstützt ein Lernen, das über den klassischen Unterricht hinausreicht: Kinder übernehmen Verantwortung, treffen gemeinsam Entscheidungen, begründen ihre Perspektiven und bringen eigene Fragestellungen ein.

Damit bieten sich auch Schnittmengen mit SDG 4 „Hochwertige Bildung“ (Teilhabe, Kompetenzaufbau, selbstständiges Lernen) und Aspekten von SDG 16 „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ (Beteiligung, Aushandlungsprozesse, fairer Umgang mit unterschiedlichen Sichtweisen).

Gleichzeitig wird ausgehend vom Sachunterricht eine tragfähige Brücke zum späteren Geschichtsunterricht angebahnt, indem Kinder Spuren der Vergangenheit erkunden, deuten und in Beziehung zur Gegenwart setzen. Somit übernimmt der Sachunterricht hierbei auch eine wichtige propädeutische Funktion für das historische Lernen im Fachunterricht der weiterführenden Schule.*

Vertiefungsmöglichkeiten

Ergänzend bietet sich der Einsatz digitaler Tools an: So können Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse beispielsweise durch das Erstellen interaktiver Denkmal-Karten (z.B. mit OpenStreetMap) festhalten.

Eine besondere Motivation entsteht, wenn die Kinder ihre Arbeitsergebnisse hörbar machen: Aus den gesammelten Informationen lassen sich kurze Audio-Inhalte produzieren. Diese können über selbst generierte QR-Codes auf den Forscherheften oder Plakaten abgerufen werden. In Absprache mit der Stadtverwaltung könnten diese zeitweilig auch direkt an den Denkmalen angebracht werden. So verwandeln die Schülerinnen und Schüler ihren Wohnort aktiv in ein interaktives Museum und erleben eine hohe Selbstwirksamkeit, indem sie ihr Wissen nicht nur der Klasse, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Einen weiteren Zugang eröffnet der Dialog der Generationen. Die Kinder können als „Zeitungsreporter“ ihre Großeltern oder Nachbarn befragen: „Wie sah dieser Ort aus, als du so alt warst wie ich?“ oder „Weißt du noch, wann das Denkmal gebaut wurde?“. Durch solche Interviews wird Geschichte durch Begegnungen und Interaktionen emotional zugänglicher und im Gedächtnis verankert.

Als fachübergreifende Erweiterung bietet sich unsere Gedichtform Sonettchen an. Dieses eignet sich, um die gesammelten Eindrücke sprachlich zu verarbeiten, indem die Kinder ihre Beobachtungen und Deutungen poetisch verdichten. Wie das gelingt, zeigen wir im Beitrag Gedichtwerkstatt: Wir schreiben ein Sonettchen.

Präsentation

Zum Abschluss können die Kinder ihre Erkenntnisse nicht nur in der Schule (Schulhaus, Klassenzimmer, Elternnachmittag), sondern auch im Stadtteil präsentieren, etwa im Seniorenzentrum, in der Bibliothek oder im Stadtteiltreff. So wird Schule zum generationenverbindenden Ort der Begegnung: außerschulische Partner werden einbezogen und das Lernen erhält eine unmittelbare gesellschaftliche Bedeutung.

Somit richten sich die Forscheraufträge nicht nur an die Kinder selbst, sondern auch an deren Lehrkräfte, Eltern und weitere Mitwirkende im schulischen Umfeld. Sie alle werden eingeladen, junge Forscherinnen und Forscher auf ihrer Reise durch Raum und Zeit aktiv zu unterstützen und zu begleiten.

Weiterführende Informationen

  • Informationen über Denkmale und deren Schutz bietet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Deren Programm denkmal aktiv macht Angebote für Lernende ab Klasse 5.
  • Mit Pegasus gibt es ein Programm, das Schülerinnen und Schülern sächsische Denkmale und spannende Geschichten um diese näher bringt.
  • Fachliche Orientierung bieten die Positionen des Grundschulverbands: Der Standpunkt BNE unterstreicht den Ansatz, Kinder durch Partizipation an der Gestaltung ihrer Lebenswelt zu beteiligen. Der Standpunkt Ganztag betont die Öffnung der Schule hin zum Sozialraum sowie zu lokalen Partnern.

* Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (GDSU) (Hrsg.): Perspektivrahmen Sachunterricht. Klinkhardt, 2013.


Andreas Grajek

Vielen herzlichen Dank an Dorothea Eickemeyer für den inspirierenden Austausch sowie an Clemens Arndt für das wunderbare Foto vom Goldenen Reiter!


siehe auch

Kinder verfassen Gedichte
Fächer verbinden, Wissen vernetzen: Fachübergreifende Unterrichtsideen rund um die Hummel
Sachunterricht fachübergreifend gestalten: Das Schneeglöckchen
Bildung und Nachhaltigkeit: Ein grüner Daumen für den Schulgarten
Wetter und Thermometer: Von täglichen Beobachtungen zum Wetterprotokoll
Around the year: „Year, months and seasons“ im Englischunterricht
Schreiben im Anfangsunterricht: Frühlingselfchen
Stufengedichte schreiben – Wörter werden zu Sätzen

Letzte Aktualisierung: 22. Januar 2026